Eltern ins Boot holen – wie gelingt das

Ein Workshop im Rahmen der Starttage 2025 im Kindergarten Oftringen

Was braucht es, damit die Zusammenarbeit mit Eltern im Kindergarten gelingt – auch wenn Perspektiven, Werte und Erfahrungen unterschiedlich sind? Dieser Frage widmete sich der Workshop „Eltern ins Boot holen – wie gelingt das?“ mit rund 45 teilnehmenden Kindergartenlehrpersonen im Rahmen der Starttage 2025 in Oftringen.

In einer abwechslungsreichen Mischung aus theoretischem Input, lebendigen Austauschrunden und einem World Café setzten sich die Teilnehmer:innen intensiv mit zentralen Aspekten gelingender Elternkooperation auseinander. Im Fokus standen dabei Fragen rund um Vielfalt, unterschiedliche Erwartungshaltungen sowie den konstruktiven Umgang mit damit verbundenen Herausforderungen und Chancen.

Ziel des Workshops war es, Impulse zu geben, wie tragfähige Brücken zwischen Fachpersonen und Eltern entstehen können, um den Kindern einen sicheren und unterstützenden Start in ihre schulische Laufbahn zu ermöglichen.

Theorie-Input: Elternkooperation braucht Haltung

Der Workshop startete mit einem theoretischen Input zu den Grundlagen erfolgreicher Elternkooperation. Im Zentrum stand der Gedanke, dass Eltern grundsätzlich das Beste für ihr Kind wollen – auch wenn sich ihre Vorstellungen, Kommunikationsformen oder Möglichkeiten, mit denen der Fachpersonen unterscheiden.

Statt von Elternarbeit wurde bewusst von Elternkooperation gesprochen – als partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, geprägt von Respekt, Vertrauen und Dialog. Eine gelingende Kooperation beginnt mit der Haltung, dass Eltern Expert:innen für ihr Kind im Alltag zu Hause sind, während Fachpersonen ihre Expertise im Bildungskontext einbringen. Ziel ist, die Ressourcen beider Seiten zu verbinden, um die bestmögliche Entwicklung des Kindes zu unterstützen. Doch wie kann dies gelingen?

Ein zentrales Werkzeug dabei: die 5P für Elternkooperation*:

  1. Präsenz – Regelmässiger Austausch
  2. Prävention – Frühzeitige Kommunikation zur Vermeidung von Problemen
  3. Partizipation – Eltern aktiv einbinden
  4. Präzision – Klare, transparente Kommunikation
  5. Perspektivenwechsel – Verständnis zeigen zur Lösungsfindung

 

Vielfalt als Chance: Reflexion und Austausch

Im Workshop wurde zunächst die Charta der Vielfalt vorgestellt, die verdeutlicht, dass jede Persönlichkeit aus einem Zusammenspiel verschiedener Komponenten wie Alter, sozialer und ethnischer Herkunft, Nationalität, Religion, Weltanschauung sowie körperlichen und geistigen Fähigkeiten. Obschon diese Unterschiede herausfordernd sein können, wurde dazu eingeladen, diese nicht einfach als «mühsames Übel» zu sehen, sondern sie mit einer Portion Neugier auch als Ressource und Chance zu betrachten.

Der Kurzfilm «das Experiment» hat dazu angeregt neugierig in die Elternzusammenarbeit 2025/26 zu schauen. Der Film zeigt auf, dass Menschen auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind. Es braucht nur ein paar einfache Fragen und Verbindungen können geschaffen werden. Genau solche Fragen können auch Teil eines Kennenlernelternabends sein.

Austausch: Fragen, Reflexion und neue Perspektiven

In mehreren Austauschrunden wurden gemeinsam diverse spannende Fragen reflektiert, wie z.B. Wie lange gelingt es dir Menschen zu beobachten, ohne zu sie zu bewerten?

Bewertungen gehören zum menschlichen Alltag und sind ganz natürlich, doch entscheidend ist, wie wir darauf reagieren.

Sich der eigenen Denkmuster bewusst zu werden, sie kritisch zu beleuchten und anzupassen sind zentrale Aspekte, um ein diskriminierungsfreies Miteinander zu gestalten, das Raum lässt für gegenseitiges Verständnis und Respekt gegenüber dem individuellen „Lebenspäckli“, welches jede:r von uns mit sich trägt.

World Café: Eltern ins Boot holen und gemeinsam rudern

Im anschliessenden World Café tauschten sich die Teilnehmenden zu drei Leitfragen aus, wobei unten zentrale Aspekte für euch zusammengefasst dargestellt werden:

Warum Eltern mit ins Boot holen (Mehrwert)?

Respektvolle Kommunikation auf Augenhöhe und die Anerkennung beider Seiten – mit ihren Rechten, Pflichten und Kompetenzen – bilden die Grundlage für eine vertrauensvolle, konstruktive und entlastende Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Was hilft Eltern beim Einsteigen – und wann müssen wir entgegenkommen?
Empathie, klare Infos, positive Erfahrungen und ein offenes Ohr sind entscheidend. Wenn Fachpersonen jedoch eine gewisse Distanz spüren, ist es evtl. nötig in der professionellen Rolle aktiv einen Schritt auf die Eltern zugehen und wo nötig entsprechende Unterstützung anzubieten.

Wie rudern wir gemeinsam – trotz Unterschieden?
Das Kind und dessen Wohlbefinden als gemeinsames Ziel im Fokus verbinden auch bei unterschiedlichen Haltungen. Auch hier sind Respekt, klare Kommunikation auf Augenhöhe zentral. Auch kreative Zugänge und Lösungen und eine gute Gesprächsvorbereitung erleichtern den gemeinsamen Weg.

Fazit: Kooperation braucht Haltung und Beziehung

Der Workshop machte deutlich: Eltern ins Boot holen bedeutet nicht, sie zu steuern – sondern ihnen einen Platz im gemeinsamen Boot anzubieten, in dem alle ihre Stärken einbringen können. Ein gemeinsames Ziel – das Wohl des Kindes – ist dabei Kompass und Anker zugleich. Wenn alle gewissermassen «im Boot ihren Platz finden» und sich gegenseitig in ihren Ressourcen stärken können, gelingt das Rudern auch bei «Gegenwind und Wellengang».


Susanne Wasserfallen und Enna Blickenstorfer



*Quelle: 8P https://www.harrowhongkong.hk/his/5-ways-to-help-create-a-positive-connection-between-parents-and-teachers/

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