Blog gelassen bleiben

Zwischen Spinat, Lippenstift und grossen Gefühlen

Gelassen bleiben im Alltag mit Kindern

 

Ein Raum voller engagierter Tagesmütter, viel Erfahrung aus dem Betreuungsalltag und eine grosse Portion Offenheit für neue Ideen: So fühlte sich der ganztägige Workshop «Gelassen bleiben – Selbstregulation in herausfordernden Situationen» im Gemeindezentrum Telli in Aarau an. Mir gegenüber waren 21 Tagesmütter, die der Einladung vom Verein Die Tagesfamilien folgten.

Schon zu Beginn wurde deutlich, wie viel Erfahrung und Engagement in dieser Gruppe vorhanden ist. Einige Teilnehmerinnen arbeiten seit vielen Jahren als Tageseltern, andere sind noch relativ neu in dieser Rolle. Genau diese Mischung sorgte für lebendige Diskussionen, viele Perspektiven und eine sehr offene, wohlwollende Atmosphäre.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie es im Alltag mit Kindern gelingen kann, auch in herausfordernden Momenten gelassen zu bleiben. Selbstregulation – also die Fähigkeit, eigene Gefühle, Gedanken und Verhalten bewusst zu steuern – ist dabei eine wichtige Grundlage. Gerade bei Konflikten, Frust oder Stress entscheidet oft ein kurzer Moment darüber, ob wir impulsiv reagieren oder bewusst handeln.

Neben theoretischen Inputs standen vor allem Praxisbeispiele und der Transfer in den Alltag im Zentrum. Situationen wie ein riesiger «Vollmond» aus rotem Lippenstift an der Wand hinter dem Sofa oder Spinat, der beim Mittagessen durchs Esszimmer gespuckt wird, sorgten für bei den einen für ein Schmunzeln, bei den anderen für ein Stirnrunzeln und gleichzeitig für spannende Gespräche darüber, wie man in solchen Momenten reagieren kann.

Interessiert probierten die Tagesmütter einzelne Übungen aus der Werkstatt zur Selbstregulation mit praktischen Tools wie der Klopf-Technik, einem kurzen Mini-Check-in oder einem 5-Sinne-Reset. Auch aus der Runde kamen kreative Ideen, damit man eben nicht «die Palme bis zu Oberst hochsteigt»: Seifenblasen machen, ein Glas kaltes Wasser trinken oder kurz hüpfen, um wieder zur Ruhe zu kommen. Für besonders viel Gelächter sorgte die Strategie, kurz ins Badezimmer zu gehen – und dabei dem eigenen Spiegelbild zu begegnen.

Auch für mich persönlich war der Tag sehr bereichernd. Mich hat beeindruckt, mit wie viel Engagement, Feinfühligkeit und Kreativität diese Tagesmütter ihre Aufgabe wahrnehmen. Der Austausch mit ihnen hat viele wertvolle Impulse gegeben – nicht nur für die Arbeit, sondern auch für meinen eigenen Familienalltag. Und ich nehme mir fest vor mich an eine Empfehlung einer Tagesmutter zu erinnern: Lieber ein Foto schiessen vom mit Mehl und Linsen und Teigwaren übersäten Küchenboden – und mittendrin das friedlich spielende Kind, als impulsiv zu reagieren und zu schimpfen..

Nicole Häuptli, angeregt und gespannt auf zukünftige Spinat- und Lippenstift-Momente, in denen eine Portion Gelassenheit dienlich sein wird

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