Systemisch denken bei ADHS/ADS

Ein neuer Blick zeigt, wie bei ADHS/ADS nicht nur Symptomkontrolle zählt, sondern auch Umfeld‑ und Entwicklungsfaktoren für Folgekrankheiten zentral sind.

Die Autorin Ursula Davatz präsentiert in „ADHS/ADS Folgekrankheiten. Psychiatrie im Offside“ (Edition Rüegger, 2025) eine kritische Analyse der üblichen medizinischen Behandlung von ADHS/ADS‑Betroffenen und argumentiert für einen weiter gefassten Ansatz. Dabei zeigt sie, dass Symptome wie Aufmerksamkeits‑ und Impulskontrollprobleme nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern im Kontext genetischer Disposition, neurobiologischer Prozesse und psychosozialer Bedingungen stehen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Gen‑Umfeld‑Interaktion: Wie wirken Umfeldfaktoren – etwa familiäre Belastung, Schul‑ und Erziehungsbedingungen – auf Verlauf und Komorbidität? Ferner diskutiert das Buch zentrale Folgekrankheiten, z. B. interne oder externe Verhaltensprobleme, Suchtentwicklungen oder psychosomatische Leiden, und skizziert, wie ein systemischer Behandlungs‑ und Präventionszugang diese Risiken mindern kann. Die Darstellung ist dabei fachlich fundiert, mit theoretischen Grundlagen, empirischen Hinweisen und systemtherapeutischer Perspektive. Für Fachkräfte im Gebiet Psychiatrie, Psychotherapie oder Prävention liefert das Werk eine umfassende Auseinandersetzung mit ADHS/ADS jenseits der reinen Medikation und öffnet den Blick für längerfristige Entwicklungen.

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