Gestalten, Ausführen, Freude und Motivation

Im sozialphilosophischen Essay Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums zeigt Hartmut Rosa, wie standardisierte Logiken und Algorithmen menschliche Handlungsspielräume schmälern und welche Folgen das für Urteilsfähigkeit und soziale Energie hat.

Hartmut Rosas Situation und Konstellation. Vom Verschwinden des Spielraums (Suhrkamp Verlag, 2026) richtet den Blick auf einen zentralen Befund der Gegenwart: Was einst situationssensibles Urteilen und kreatives Handeln auszeichnete, wird zunehmend von konstellationsbasierten Vollzugslogiken verdrängt. Ob im Berufsalltag, in Bildungskontexten oder im Alltag – Richtlinien, Algorithmen und formalisierte Entscheidungswege übernehmen Funktionen, die früher dem menschlichen Ermessen vorbehalten waren. Rosa zeigt, wie dieser Wandel den Handlungsspielraum verkleinert, die Urteilskraft schwächt und das Gefühl sozialer Ohnmacht verstärkt. Für Fachpersonen der Prävention, Gesundheitsförderung und Erziehung ist Rosas Analyse relevant, weil sie hinterfragt, wie formalisierte Strukturen das Selbstverständnis und die Gestaltungsmotivation von Akteur:innen prägen. Dabei macht der Autor deutlich: Ein bewusst begrenzender Umgang mit Normen und Rezepten und eine Stärkung von Urteilsfähigkeit können dazu beitragen, das Gefühl eigener Handlungsfähigkeit wieder zu fördern. Die theoretischen Überlegungen bieten eine Grundlage, um in pädagogischen und sozialen Feldern sensibel auf die Balance zwischen Regelorientierung und situationsbezogenem Handeln zu achten und Handlungsspielräume als ressourcenstärkend zu nutzen.

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