Vom Raucherbein zum Klassenklima

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Vom Raucherbein zum Klassenklima

Die Geschichte der Suchtprävention in der Schule ist kurz und bunt. Früher und heute – ein Abriss über die wichtigsten Strategien

Vor fünfzig Jahren galt Abschreckung als die beste Methode, Jugendliche vom Drogenkonsum abzuhalten. Den SchülerInnen der Oberstufe wurden teergeschwärzte Lungen gezeigt, amputierte Raucherbeine und zerstochene Arme. Die Botschaft war klar: nehmt keine Drogen, sonst ergeht es euch ebenso!

Die Strategie erwies sich schnell als wirkungslos. Für die Jugendlichen waren so langfristige Folgen wie ein Raucherbein zu weit weg – oder der Drohfinger führte dazu, dass sie sich vom Verbotenen magisch angezogen fühlten.

Trotzdem wurde sehr lange daran festgehalten. Christiane F.s Erlebnisbericht von den Kindern im Bahnhof Zoo wurde häufig als Beispiel genutzt. Die Geschichte von Drogenprostituierten in Berlin ist wahr und unglaublich erschütternd – sie als Klassenlektüre zu lesen reicht aber als alleinige Massnahme der Prävention nicht aus.

Der Trailer zum Film „Christiane F.“ (1981)

In den 80ern und 90ern fand eine langsame Kehrtwende statt. Die SchülerInnen sollten nun gegen Sucht oder Drogenexperimente quasi „geimpft“ werden. Ihre Abwehrkräfte, wie ein gutes Selbstvertrauen oder stabile Freundschaften, sollten gepflegt werden.

Diese Strategie wurde bis heute verbessert und weiterentwickelt.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Prävention am erfolgreichsten ist, wenn sie im Schulhaus verankert ist – nicht nur im Unterricht. Wenn SchülerInnen sich in der Klasse und im Schulhaus wohl fühlen und wissen, dass sie mit jemandem reden können, wenn es nicht so ist, ist die halbe Arbeit getan. Damit kann man bereits im Kindergarten beginnen. In der Oberstufe, allenfalls bereits in der späten Mittelstufe, können wenige und sachliche Informationen zu Suchtmitteln und der Krankheit Sucht sinnvoll sein.

Die wichtigsten Themen der Prävention sind die, die Kindern und Jugendlichen sowieso unter den Nägeln brennen.

  • Wer bin ich?
  • Bin ich anders als die anderen?
  • Muss ich alles mitmachen?
  • Wie finde ich Freunde? Wer hört mir zu?

Ich… und die anderen – Unterrichtsmaterial von Sucht Schweiz, hier kostenlos zur Ausleihe bestellbar

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Anicia Kohler, Suchtprävention Aargau

 

Weitere Informationen zur Geschichte der Suchtprävention in der Schweiz: ein Text von Martin Hafen, Wissenschaftler und Dozent an der Hochschule für Soziale Arbeit Luzern (Link: http://www.fen.ch/texte/mh_geschichte.htm)

 

2017-11-28T12:07:30+00:00