Sucht und Familie: Tagungsbericht

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Sucht und Familie: Tagungsbericht

Es stimmt nicht, dass Säuglinge und kleine Kinder es zum Glück noch nicht merken, wenn Mama oder Papa trinkt. Dies wurde an der Fachtagung Sucht und Familie der Suchtberatung ags sehr deutlich. Ich war dabei und habe mir Notizen gemacht, die ich gerne hier zur Verfügung stelle.

Vorab

Säuglinge empfinden, ob und wie sie wahrgenommen werden. Wie werden sie gehalten? Wie schaut man sie an? Was für Geräusche sind im Raum? Erkennt man seine Bedürfnisse und werden diese adäquat befriedigt? Hat man Zeit und Geduld mit ihnen?

Zahlen

  • Jedes 5. bis 7. Kind wächst in einer Familie auf, in welcher die Folgen von Suchtproblemen alltäglich sind.
  • ⅔ der Kinder aus suchtbetroffenen Familien, entwickeln später selber eine Sucht oder psychische Erkrankung.

Was können Beraterinnen und Berater tun?

  • Hinschauen: Klienten und Klientinnen nach ihren Kindern fragen, zulassen, dass Kinder in die Beratung mitgenommen werden, dies als Chance betrachten.
  • Süchtigen Vätern und Müttern in der Beratung zukommen lassen, was diese den Kindern geben sollten: aushalten von schwierigen Gefühlen, Worte finden, Situationen benennen, Affektverwandlung – aus Negativem gute Perspektiven entwickeln, Geduld haben, Perspektivenwechsel erlebbar machen: das sind meine Gefühle, wie fühlt sich wohl mein Baby?
  • Sorgenvolle Blicke verunsichern Eltern aber auch kleine Kinder: Ich bin falsch, ich bin eine Belastung, interpretieren nicht nur Säuglinge solche Blicke. Eltern sollten wissen, wie ihre Mimik auf Säuglinge wirkt: eine freundliche Miene, die Freude und Sicherheit vermittelt, ebenso wie ein abweisendes, gereiztes Gesicht, welches Stress und Verlassenheitsgefühle auslöst.
  • Fokus auf das Gelingende richten: Beobachten, was Eltern gut machen und diesem Verhalten Bedeutung geben – wenn Sie Ihr Baby so anlächeln, fühlt sich dieses angenommen und sicher. Probieren Sie es doch bis zur nächsten Beratungssitzung aus und erzählen Sie dann von Ihren Erfahrungen damit.
  • Vor allem kleine Kinder brauchen Rituale, um sich in Zeit und Raum zurecht zu finden. In der Beratung können Rituale vorbesprochen und als Aufgabe Eltern mit nach Hause gegeben werden.

Meine Lieblingsaussage

Kleine und grosse Kinder brauchen die Zuversicht, dass es wieder gut kommt.

Marianne Steiner, Stellenleiterin Suchtprävention Aargau und Elternbildung Aargau, Geschäftsleitungsmitglied der Suchthilfe ags.

Zum Angebot Sucht und Familie der Suchtberatung ags
2017-09-29T13:47:39+00:00