Prävention mit Hand und Fuss

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Prävention mit Hand und Fuss

Wir wollen Wirkung erzeugen und setzen deshalb auf Massnahmen, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren.

Gut gemeint ist nicht gut genug! Die folgenden Aussagen bilden unsere Arbeitsgrundlage – sie sind alle wissenschaftlich abgesichert.

Die „just say no“ Kampagne der amerikanischen First Lady Nancy Reagan lief unter „gut gemeint“ – sie erwies sich als wirkungslos, teils sogar gefährlich. Sag doch einfach nein – mit diesen drei Worten sollte das Drogenproblem gelöst werden. Die Verantwortung wurde aber auf die Jugendlichen gelegt, statt sie mit ihren Fragen zu unterstützen.

Die Eltern gehören zu unseren wichtigsten Ansprechspartnern. Die Familie gibt Kindern und Jugendlichen, aber auch den Eltern selber, ein Fundament mit. Je stabiler das Fundament, umso besser. Es wirkt, wenn die Prävention die Eltern darin unterstützen kann

  • Ein Vorbild zu sein
  • Familienregeln einzuführen, die dem Alter der Kinder entsprechen
  • einen guten Familienzusammenhalt zu schaffen

Am wirkungsvollsten ist Prävention für die Familie, wenn Eltern sich mehrmals treffen und austauschen können, und praktische Hinweise von Fachpersonen erhalten. Referate eignen sich nur im Zusammenspiel mit anderen Massnahmen.

Die Schule ist ein ebenso wichtiger Präventionspartner. Es ist wirkungsvoll, wenn bei Kindern und Jugendlichen über die ganze Schulzeit hinweg auf die Förderung von Selbst- und Sozialkompetenzen gesetzt wird – bereits in Kindergarten und Vorschule. Sehr wirksam ist eine gute Schulkultur mit den dazugehörigen Regeln, die zum Teil gemeinsam mit den SchülerInnen erarbeitet werden, und die für alle gelten, die sich im Schulhaus bewegen. Es hat sich hingegen als wirkungslos erwiesen, den SchülerInnen Angst zu machen, um sie von Suchtmittelkonsum abzuhalten – oder nur auf die Förderung von Selbstwert zu setzen.

Für die Prävention am Arbeitsplatz gilt ähnliches. Sie ist dann wirkungsvoll, wenn sie in andere langfristige Programme für Gesundheit eingebettet ist. Sinnvoll ist der Einbezug des Themas Stress. Und es ist wirksam, wenn Unternehmen Regeln zum Konsum von Alkohol oder anderen Suchtmitteln einführen, und wenn den Arbeitnehmenden klar ist, an wen sie sich wenden können, wenn sie Hilfe brauchen – mit garantierter Schweigepflicht.

Sehr wirksam sind politische Massnahmen wie der Jugendschutz, hohe Preise bei Zigaretten und Alkohol und Nachtverkaufsverbote. Keine bis kaum Wirkung zeigen hingegen grosse Plakatkampagnen.

Prävention ist also wirkungsvoll, wenn sie Menschen anspricht und stark macht, sie respektiert und begleitet, am besten über längere Zeit. So bekommt sie Hand und Fuss – und Hirn!

Es gibt zwei grosse Berichte zum heutigen Stand über die Wirksamkeit von Suchtprävention:

Die Expertise zur Suchtprävention der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) von 2013, und die Standards zur Suchtprävention des United Nations Office on Drugs and Crime (UNODC) von 2015 (in englischer Sprache).

von Anicia Kohler, Suchtprävention Aargau

2017-11-29T13:59:02+00:00