Bindung: der lebenslange Stern-OL

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Bindung: der lebenslange Stern-OL

Die sichere Bindung ist in aller Munde – nicht nur auf der Skipiste. Drei wichtige Stichworte und sechs Zitate zur Theorie

Schutz

Kleinkinder möchten beschützt werden. Sie möchten erfahren, dass sie getröstet werden, wenn sie Angst haben oder traurig sind. Sie möchten wissen, wer ihnen die Hand gibt, wenn ein Gewitter aufzieht oder ein grosser Hund entgegen kommt.

Freiraum

Gleichzeitig möchten sie die Welt entdecken. Sie möchten Abenteuer erleben, sie möchten Geräuschen nachgehen, Würmer aus dem Boden ziehen und herausfinden, wie ein Lichtschalter funktioniert – und zwar alleine!

Feinfühligkeit

Die Aufgabe der Eltern besteht nun darin zu erkennen, was gefragt ist. Wann braucht das Kind Schutz und Nähe, und wann soll man es selbstständig ziehen lassen?

Ein Neugeborenes braucht nur Geborgenheit. Je älter es wird, desto mehr nimmt sein Entdeckungsdrang zu. Eltern sollten dies zulassen, und ihm versichern, dass sie da sein werden, wenn es zurückkommt. So reagieren die Eltern feinfühlig auf die Entwicklung und die Signale des Kindes. Eine Herausforderung – und die Basis für eine sichere Bindung!

In den ersten drei Lebensjahren bauen Kinder Vorstellungen davon auf, wie Beziehungen funktionieren. Diese werden verinnerlicht und sind später häufig nur mit grossem Aufwand korrigierbar.

Auch Erwachsene bewegen sich in der Balance zwischen Geborgenheit und Freiraum. Beides sind Grundbedürfnisse, eines ohne das andere unvorstellbar. John Bowlby, der in den 1950er Jahren erste Gedanken zur Bindungstheorie vorstellte, sprach bildlich von einer Reihe von Ausflügen, von den Bezugspersonen aus und wieder dorthin zurück.

Im Stern-OL kehren die Teilnehmenden nach jedem gefundenen Posten zum Ausgangspunkt zurück, bevor sie zum nächsten aufbrechen. Eltern, später Partnerinnen, Partner oder andere Bezugspersonen, befinden sich beim Ausgangspunkt, und Kinder, später Erwachsene , suchen die Welt nach Posten ab und kehren dann zurück.

Das Spiel wird gestört, wenn der Ausgangspunkt und der damit verbundene Schutz plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Oder wenn die Weltentdecker am Ausgangspunkt am Weitermachen gehindert werden.

John Bowlby gilt gemeinsam mit Mary Ainsworth, die ab den 70er Jahren intensiv empirisch zu forschen begann und verschiedene Bindungstypen und Aspekte der Feinfühligkeit beschrieb, als Begründer der Bindungstheorie.

Für mehr Informationen empfehlen wir die Lektüre dieses Fachbuchs aus unserer Mediothek, unter dem Stichwort „Bindung“ finden sich noch zahlreiche weitere Sachbücher und Ratgeber zum Thema.

2018-01-03T13:38:46+00:00