Ab wann ist man abhängig?

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Ab wann ist man abhängig?

Sind zwei Gläser Wein zu viel? Wie viel darf ich täglich rauchen, ohne abhängig zu werden?

Fragen, die sich nicht so einfach beantworten lassen. Es gibt eine grosse Spannbreite zwischen Genuss, problematischem Konsum und Abhängigkeit.

Warum trinken Sie? Weshalb nehmen Sie Beruhigungs- oder Schlafmittel, rauchen Sie oder experimentieren mit Partydrogen? Diese Frage ist viel wichtiger als die genaue Konsummenge. Es kann gefährlich sein, ein mögliches Suchtmittel als Trostpflaster oder zur Ablenkung einzusetzen. Wer die Kontrolle zu verlieren beginnt, sich ausgeliefert oder überlastet fühlt, kann die Hilfe einer Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Zentral ist dabei, ob ein Leidensdruck besteht – bei Betroffenen und/oder Angehörigen.

Abhängigkeitserkrankung

Umgangssprachlich Sucht genannt, ist die Abhängigkeitserkrankung eine ernsthafte, komplexe Krankheit. Die Diagnose wird von Fachpersonen wie Sozialarbeitenden, PsychologInnen oder ÄrztInnen gestellt. Drei oder mehr der folgenden Kriterien müssen mit Ja beantwortet werden und seit einem Jahr bestehen

  •  Innerer Zwang zum Konsumieren
  •  Kontrollverlust über die Menge des Konsums und das eigene Verhalten
  •  Körperliche Entzugssymptome
  •  Toleranzentwicklung: die Dosis muss für die gleiche Wirkung immer mehr erhöht werden
  •  Vernachlässigung von Interessen, der Zeitaufwand nimmt zu
  • Der Konsum wird weitergeführt, obwohl bereits Gesundheitsschäden bestehen

Die Abhängigkeitserkrankung zeigt sich an Körper und Seele. Beide werden abhängig – und beide müssen geheilt werden. Der Körper kann nicht mehr auf einen bestimmten Stoff verzichten, er wehrt sich und fordert Nachschub, weshalb ein körperlicher Entzug am besten unter Aufsicht passieren sollte. Dies dauert ein paar Tage. Nicht alle Suchtmittel machen körperlich abhängig.

Die Seele entwickelt einen ungeheuren Drang zum Konsum, sie kann auf die Wirkung eines Stoffs nicht mehr verzichten. Dieses Reissen beginnt das ganze Leben zu bestimmen – darüber wieder die Kontrolle zu gewinnen, ist ein langer, aufreibender Prozess. Alle Suchtmittel, auch ungesunde Verhaltensweisen, können zu einer solchen psychischen Abhängigkeit führen.

Wo platzieren Sie sich auf der Skala zwischen Genuss, Problem oder Abhängigkeit – wenn Sie ehrlich sind? Suchen Sie eine Suchtberatung auf (kostenlos und anonym), wenn Sie sich unsicher oder unter Druck fühlen.

von Anicia Kohler, Suchtprävention Aargau

2017-11-29T14:13:16+00:00